Arabisierung der südsudanesischen Bevölkerung

Arabische Stämme und einzelne Siedler wanderten einst von der arabischen Halbinsel her in den Norden des heutigen Sudan ein. Das Verhältnis zwischen arabischer und afrikanischer Bevölkerung ist seitdem von Misstrauen auf der einen Seite und von Arroganz auf der anderen Seite geprägt. Die Ursachen dafür liegen im Anspruch der arabischen Eliten, über die ansässige Bevölkerung sowohl politische und wirtschaftliche als auch religiöse und kulturelle Dominanz auszuüben.

Ein Erbe der Kolonialherrschaft Großbritanniens und Ägyptens ist, dass die beiden Landesteile unter einer arabischen(!) Regierung in eine Unabhängigkeit "entlassen" wurden, in der nie ernsthaft eine gleichberechtigte Beteiligung der Gesellschaften des Südsudan vorgesehen war. Das Interesse Großbritanniens bestand zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Entwicklung des Landes, vielmehr ging es darum, Ägyptens Ansprüchen auf einen ungeteilten Sudan unter arabischer Herrschaft zu entsprechen. Als Gegenleistung dafür erhielt Großbritannien Einfluss auf den Suezkanal, die strategisch wichtige Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer.

Ein deutliches Zeichen für die Inanspruchnahme jeden Mittels - ob direkte oder indirekte Gewalt - ist das Bestreben der arabischen Eliten, die Geschichte umzuschreiben. Eine "offizielle" Version der sudanesischen Geschichte wurde inzwischen in die Schulbücher aufgenommen. Ihr zufolge war das gesamte Gebiet des nordöstlichen Afrikas menschenleer, und die arabischen Einwanderer trafen erst weit im Süden auf besiedelte Gebiete.
hoxel