Der Bürgerkrieg

Ganz entgegen dem Bild, das meist von den Konflikten im Sudan gezeichnet wird, ist es durchaus nicht so, dass lediglich die Menschen im animistischen und christlichen Süden vertrieben und entrechtet wurden. Auch nordsudanesische und muslimische Bevölkerungsteile wurden und werden von der zerstörerischen Politik nicht ausgenommen.

Die Menschen im Süden des Landes, in den Nubabergen und im Ingassanagebiet sind am stärksten von den Gefahren betroffen, die ihr Leben, ihre Identität und ihre Menschenwürde bedrohen. Sie leben im Krieg. Die Regierung beansprucht das Land für sich, und die Menschen sind ihnen dabei im Weg. Nicht offiziell bestätigt, aber gut zu beobachten ist die Tatsache, dass die Regierung Omar al Bashirs seit dem Beginn der Ölförderung verstärkt Strategien verfolgt, die auf die Vernichtung oder Assimilierung der gesamten nicht-arabischen Bevölkerung abzielen.

Zu besonderen Gelegenheiten bestätigen die jeweiligen Regierungen in Khartum und besonders die NIF/NC-Regierung seit 1991 immer wieder ihre Strategie, die Menschen im Süden zu vernichten. Bei Feierlichkeiten zur Verlegung von Truppen an die Front, bei panarabischen Gipfeltreffen etc. ist die Rhetorik nicht mehr geschliffen. Es wird ganz offen davon gesprochen, die überlebende Bevölkerung zu assimilieren, weil sie sonst eine Gefahr darstelle: für den Islam, für die Regierung, für die Herrschaft der arabischen Kultur. Solche Sprache ist allerdings nur im Rahmen von Veranstaltungen mit arabischen oder islamischen Besuchern und Programmen erleben. Allseits bekannt ist jedoch, dass der Krieg einseitig religiös aufgeheizt wurde.

Indem der Bürgerkrieg 1991 von der Regierung in Khartoum umdefiniert wurde zum Jihad - zum "Heiligen Krieg" -, hat er eine neue Bedeutung erhalten. Dadurch wird es für jeden gläubigen Muslim zur Pflicht, islamische Werte gegen die zu Feinden des Islam stilisierten Gegner zu verteidigen. Diese werden zu Ungläubigen erklärt, deren Leben nicht zu schützen sei. Menschenverachtende und hasserfüllte Rhetorik ist an der Tagesordnung: Einen Ungläubigen zu töten, ob im heiligen Krieg oder im Alltag, bringe einen heiligen Krieger dem Paradies näher, sein eigener Tod im Kampf mache ihn per se zum Märtyrer. Die Regierung beansprucht allerdings trotz allem für sich, eine Regierung für alle Sudanesen zu sein.

Schon vor 1991 erkannten die arabischen Eliten die Rechte der nicht-arabischen Bevölkerung nicht an. Materielle, soziale und kulturelle Rechte wie Landbesitz, Infrastruktur, Wasserversorgung, Bildung, Gesundheit, Selbstbestimmung und kulturelle Traditionen wurden noch nie respektiert. Die Grundrechte auf Leben, Nahrung, Unterkunft und Freiheit der Rede und der Religion werden mit Füßen getreten.
hoxel