Das Jongleikanalprojekt

Der geplante Jongleikanal
1949 machte Ägypten einen Vorschlag mit dem Ziel, das Nilwasser zu bewahren und zu regulieren. Die Plan hieß Equatorial Nile Projekt. Er sah vor, einen Damm im Nil in Uganda zu errichten. Diese Idee löste Konflikte zwischen dem Sudan, Uganda und Ägypten aus. Als Reaktion darauf rief der Sudan das Jonglei Investigation Team (JIT) ins Leben. Es sollte die Folgen des Baus des Jongleikanals prüfen. Das Team hatte folgende Aufgaben:
  • die ökonomischen und sozialen Folgen des Jongleikanalprojekts für die Menschen in der Suddregion zu untersuchen,
  • Alternativen zu erkunden sowie
  • die Kosten des Kanalprojekts zu schätzen.
Das (JIT) empfahl nach der Konsolidierung der Ägypter 1954 die Grabung des Jongleikanals. Diese Empfehlung wurde von allen Beteiligten begrüßt. Unerwarteterweise aber änderte Ägypten seine Position lehnte und die Grabung des Jongleikanals ab, statt dessen baute es den Assuan-Staudamm in Ägypten.

Nachdem der Assuan-Staudammes errichtet war, wurde 1985 festgestellt, dass Ägypten mehr Wasser als vermutet benötigte und deshalb mit dem Sudan noch einmal verhandeln musste. Als Folge wurde ein neues Komitee - die Permanent Joint Technical Commission (PJTC)- ins Leben gerufen, deren Ziel die Implementierung und Durchführung von Projekten zur Bewahrung des Nilwassers war.

1974 entschied sich die sudanesische Regierung für den Bau des Jongleikanals. Der Kanal sollte von einem kleinen Dorf am Bahr al Jabel zum Zufluss des Sobat südlich von Malakal sowie durch das Sumpfgebiet führen und etwa 280 km lang werden. Mit dem Bau wollte man folgendes erreichen:
  • die Fließgeschwindigkeit des Wasser erhöhen,
  • die Verdunstung reduzieren,
  • die Distanz zwischen Juba im Südsudan und dem Nordsudan verkürzen,
  • den steigenden Wasserbedarf der wachsenden ägyptischen Bevölkerung decken - der Kanal sollte so konstruiert werden, dass er eine Kapazität von ca. 25 Millionen Kubikmetern Wasser täglich hat,
  • den Nordsudan mit Wasser versorgen,
  • die sozio-ökonomische Entwicklung für die Suddregion gewährleisten.
Die Regionale Regierung in Juba (eine autonome Selbstverwaltung) lehnte den Plan nicht ab. Das führte in Juba zu Protesten und Demonstrationen durch Schüler. Die Proteste weiteten sich auf viele Städte im Südsudan (Yei, Torit, Yambio, Miridi, Rumbek, Malakal, Bor und Wau) aus und dauerten vier Wochen an. Trotzdem wurde Anfang der 80er Jahre die Bauarbeit aufgenommen. Bei der Bauarbeit waren die französischen Firmen Compagnie de Constructions Internationale, SA (CCI) und Grands Travaux de Marseille International (GTMI) sowie andere kleinere Unternehmen beteiligt.

An der Baustelle kam der in Lübeck hergestellte damals größte mobile Bagger der Welt zum Einsatz. Der Bagger hatte eine Kapazität von 40.000 Kubikmetern pro Tag. 1984 wurde die Arbeit eingestellt, nachdem der Bürgerkrieg begonnen hatte.

Über die Auswirkungen des Kanals auf die Menschen und das Ökosystem streiten die Beteiligten bis heute. Ägypten und Sudan sind die hauptbeteiligten Staaten. Obwohl noch sieben andere Länder Anreinerstaaten sind, spielten sie keine nennenswerte Rolle, als es um die Planung des Jongleikanalprojekts ging. Auch hinsichtlich dieses Projekts lässt sich die sudanesische Bevölkerung in zwei Gruppen unterteilen: Die Südsudanesen sind vorwiegend gegen den Bau des Kanals. Die Regierung und die Menschen im Nordsudan befürworten ihn. Hinzu kommt allerdings, dass es weltweit Stimmen gab, die den Bau des Kanal nicht befürworteten. Zu erwähnen sind hier in erster Linie Wissenschaftler und Umwelt- bzw. Naturschutzverbände.

1) Politische und ökonomische Bedenken:

  • Die Südsudanesen glauben, dass die Regierung in Khartoum die südsudanesische Autonomie unter Druck gesetzt hat.
  • Die Menschen in der Sudd-Region selbst wurden nicht berücksichtigt.
  • Die Regierung will Ägypter in der Sudd-Region ansiedeln.
  • Der Kanal dient den Interessen des Nordsudans und Ägypten. Den Menschen im Süden fügt er unabsehbaren Schaden zu.
  • Die Lebensweise der Menschen wird sich von Grund auf ändern, es droht der totale Verlust ihrer Existenzgrundlagen.
Deshalb fühlen sich die Südsudanesen von der Regierung in Khartoum und von Ägypten übervorteilt. Sie glauben, dass dieser Kanal verheerende ökologische, soziale und politische Folgen haben wird. Als Folge wurde auch die Erinnerung an die Kolonialzeiten wach, zumal zu befürchten steht, dass Nordsudanesen und Ägypter in ihrer Region angesiedelt werden. Die Südsudanesen fassen Ereignisse deshalb als Bestätigung des "arabischen Imperialismus" auf und als dessen Versuch, die Afrikaner im Sudan zu assimilieren und zu dominieren, d.h. ihre Kultur, ihre Religion und ihr Erbe unwiederbringlich zu zerstören.

2) Ökologische Bedenken:

Was die Ökologie betrifft, so sind die Südsudanesen der Ansicht, dass der Kanal zur Austrocknung des Marschlandes beitragen wird, welches hauptsächlich als Weideland für Haus- und Wildtiere genutzt wird. Außerdem vertreten sie verstärkt die Auffassung, dass durch den Kanal die exotische Flora unwiederbringlich vernichtet und die Versteppung des Landes zunehmen wird.

Umwelt- und Naturschutzverbände wie das United Nations Environmental Programme meinen, dass der Jongleikanal und die Trockenlegung des Sudd den gesamten Wasserhaushalt Nordafrikas aus der Balance bringt. Langfristig werde sich der Sudd in eine Wüste verwandeln. Bei wenig Verdunstung werde wenig Regen fallen, wodurch der Grundwasserspiegel sinken und die Vegetation absterben werde.

Die Befürworter des Kanal hingegen meinen, dass der Regen im Sumpfgebiet nicht von der örtlichen Verdunstung, sondern von den Wolken über dem Südatlantik abhängig ist. Außerdem sind sie der Überzeugung, dass der Kanal die Überflutungen reduzieren und mehr Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung stellen wird, wodurch Millionen Menschen ernährt werden könnten.
hoxel