Landwirtschaft braucht keine Lehrbücher?

Landwirtschaft 'entwickeln' hat Tradition

Entwicklungshilfe hat seit den 70er Jahren, als sie - vor allem die staatlichen und UNO Gelder zu einem größeren Teil als früher in Bildung, in 'Humankapital' investierte, schon in den 80ern wieder zu den 'traditionelleren' Bereichen zurück gefunden: Wie schon zur Kolonialzeit, war es der Primärgütersektor, der gefördert wurde. Die Erzeugung von agrarischen oder anderen Rohstoffen, lag den Kolonialmächten am Herzen und ist den 'entwickelten' Staaten ebenso wichtig. Der traditionellste Bereich, für den Europa sich interessiert, ist der, der die natürlichen Ressourcen ausbeutet: Bodenschätze und Agrargüter. Dorthin fließt Entwicklungshilfe.
Die Landwirtschaft in den Entwicklungländern ist jedoch auch der Bereich, in dem die Menschen selbst 'seit Menschengedenken' über sehr viel Wissen verfügen. Durch die Katastrophen, politisch verursachte Landflucht und Landungleichverteilung aber auch durch die Beeinflussung von außen ging davon viel verloren. Wenn heute Entwicklungshilfe mit dem Ziel in Landwirtschaft investiert, traditionelles lokales Wissen zu reaktivieren und an heutige Erfordernisse anzupassen, kann das ein sehr sinnvoller Beitrag zum Wohle der zu entwickelnden Gesellschaften sein.

Lokales Wissen

Dort, wo Menschen jahre- oder jahrzehntelange Entfernung und Entfremdung vom Wissen um die Bestellung des Bodens und um die Haltung von Tieren hinter sich haben, muss dies wieder neu gelernt werden. Dort, wo die Menschen nie von ihrem Boden vertrieben worden waren, geht es beim Wunsch nach Veränderung allenfalls um höhere Erträge, eher noch aber um bessere Vermarktung. Erstere sind in der Regel mit ein wenig mehr Mechanisierung zu erreichen. Wenn jedoch neues Saatgut, Düngemittel und Hightechmaschinen zum Einsatz kommen - mit Milliarden von Entwicklungshilfegeldern unterstützt - hat das häufig den Effekt, dass Abhängigkeiten und Verschuldung geschaffen und landwirtschaftliche Schäden verursacht wurden. Bessere Vermarktung ließe sich auf internationaler Ebene unter anderem durch die Öffnung der EU Märkte und die Änderung der ungerechten Weltwirtschaftsordnung erreichen und in den Ländern selbst durch die Investition in Infrastruktur .

Rechte sichern

Unterstützung wird vor allem dort benötigt, auch im Bereich ländlicher Entwicklung, wo es Interessenskonflikte gibt - beispielsweise wenn Flüchtlinge zurück kehren und auf ihrem früheren Besitz in der Zwischenzeit andere Menschen leben. Welchen Interessensausgleich können die Menschen dort erreichen, was kann sie dazu motivieren, friedliche Lösungen zu suchen, etc? Diese Art Unterstützung hat mit Landwirtschaft im weiteren Sinne zu tun.
hoxel