Das Nilwasserabkommen

Der Nilvertrag

Der ägyptische Traum, den Nil "zu kontrollieren", wurde in der Kolonialzeit durch die Eroberung und Besetzung des Sudan und anderer Länder in der Region teilweise befriedigt. In der Kolonialzeit zwangen die Briten den Sudan und Äthiopien, verschiedene Verträge über die Regulierung des Nilwassers zu unterschreiben.

Diese Verträge schrieben vor, das Wasser des Nils vom Tanasee in Äthiopien und den äquatorialen Seen in Zentralafrika natürlich, ungestört und gesichert bis nach Ägypten fließen zu lassen. Um die Kontrolle über das Nilwasser zu festigen, hatte Ägypten einen Plan entwickelt und implementiert. Der Plan sah vor
  • das Wasser aus den äquatorialen Seen und dem Tanasee zu stauen und für den ägyptischen Bedarf zurückzuhalten sowie
  • das Wasser aus den Sumpfgebiet im Südsudan abzuleiten.

Die Ableitung des Suddwassers

Zur Ableitung des Wassers aus der Suddregion wurden zahlreiche Feldforschungen durchgeführt. Die Erkenntnisse dieser Feldforschungen waren zusammengefaßt und als Vorschläge dargestellt worden. Sie postulierte, dass zur Ableitung des Wassers aus der Sumpfregion (Suddregion) ein Kanal benötigt werde, der sogenannte Jongleikanal. Da der Nordsudan auf die Regenfälle zur Bewässerung der Landwirtschaft angewiesen war, gab es keine Konflikte zwischen den beteiligten Staaten über das Nutzungsrecht das Nilwassers. 1910 entstand ein Konflikt, weil die Briten ein Bewässerungsprojekt für den Anbau von Baumwolle in Gezira im Nordsudan vorgeschlagen hatten. Die Ägypter meinten, dass dies einen Verstoß gegen den Wasser-Vertrag bedeutete und protestierten, sie behaupteten, das Gezira-Bewässerungsprojekt wäre nur auf Kosten von Ägypten zu realisieren. Ihrer Ansicht nach war das ein Verstoß gegen die bestehenden Nilwasser-Verträge.

Die Briten aber argumentierten, daß der Sudan auch das Recht habe, das Wasser des Nils für seine sozio-ökonomische Entwicklung zu nutzen. Da die Briten sowohl im Sudan als auch in Ägypten die Kolonialherren waren, wurde ein Kompromiss erreicht.

Dieser Kompromiss sah folgende Lösungsmöglichkeiten vor: Es sollten zwei Dämme eingerichtet werden, die anschließend gebaut wurden:
  • der Senner Damm im Blauen Nil, um den ägyptischen Bedarf an Wasser im Sommer zu decken
  • der Jebel Auliya Damm im Weißen Nil, um das Geziraprojekt mit Wasser zu versorgen
Trotz dieses Kompromisses sind die Konflikte aber nur teilweise beigelegt, weil sich die Ägypter mit der Lösung nicht zufrieden geben wollten, bis sie 1929 das Nilwasser-Abkommen (Nile Waters Agreement) erzwangen. Dieses Abkommen hatte aber die Frage nach der Ableitung des Suddwassers nach ägyptischer Ansicht nicht ausreichend behandelt. So wurden in Folge zahlreiche Konzepte entwickelt und erarbeitet, die wie folgt zusammengefaßt werden können:
  • ein direkter Kanal im Westen des Ortes Rejaf sollte eine Verbindung herstellen vom Bergfluß (Bahr el Jebel) bis zur Sobat Mündung in den Weißen Nil
  • ein direkter Kanal von Bor bis zur Sobat Mündung in den Weißen Nil
  • ein Kanal von Bor bis zu Bahr al Zaraf
  • ein Kanal von Bor bis zur Sobat Mündung aber mit etwas kleineren Ausmassen gegenüber dem Bahr al Zaraf
  • Begradigung des Flußabschnittes von Bahr al Jabal zum Lake No und des Weißen Nil zum Sobat
  • Umleitung bzw. Umbau (Remodelling) von Bahr al Jabal zu Zaraf Cuts Bahr al Zaraf zum Weißen Nil und Sobat
  • Umbau von Bahr al Jabal von Bor zu Lake No und Bahr al Zaraf von Zaraf Cuts zu seiner Mündung und Weißen Nil von Lake No zum Sobat
  • ein Kanal von Mongalla Richtung Veveno Fluß und dann zu Pibor
  • ein Kanal zu Veveno-Pibor kombiniert mit der Nutzung von Bahr al Jabal von Bor zum Lake No und Bahr al Zaraf von Zaraf Cuts zu deren Mündung
  • Eindämmung des Bahr al jabal von Bor bis zum Lake No
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