Die Rolle der Kirche im Krieg und Frieden im Südsudan

Der Glauben ist Nahrung für die Seelen und schafft durch seine Praktiken nicht nur die innere Ruhe sondern ein harmonisches Verhalten und konstruktives Benehmen mit unseren Mitmenschen. Da vor dem einzigen für alle Menschen vorhandenen Gott alle Menschen gleich sind. "Gott unterstützt die gerechte Sache, selbst wenn sie von Nichtmuslimen vertreten wird, und er vereitelt eine ungerechte Sache, auch wenn Sie von Muslimen vorangetrieben wird", so sagte einst ein arabischer Weiser; er wird von einem Vertreter der SPLA (Sudan´s People´s Liberation Army) zitiert: G. Lademann-Priermer, Berliner Dialog 18-19,3/4-1999. Wer wirklich glaubt sollte keinerlei Unrecht tun sondern grenzenlos solidarisch sein und die Solidarität fördern durch das Bauen menschliche Gemeinschaft, durch Hilfsbereitschaft, und durch Überwindung von Trennungen und Unversöhnlichkeit. Solidarität ist das erste Gebot des glücklichen und friedlichen Zusammenlebens der Menschen. Bezogen auf die Missionsarbeit in Afrika, sind Untaten natürlich zu beklagen. Schließlich besteht die Kirche auf Menschen, die auch by doing lernen. Dennoch haben sie die kontinentale Entwicklungsdynamik in ganzem Afrika mehr gefördert als die gesamten Kolonialherren. Schulen, Krankenstationen, die Unterstützung von Kommunikation (Kommunikationsbereitschaftsherstellung), Erwachsenbildungszentren, und noch vieles mehr verdanken Afrikaner und Afrikanerinnen in viele Ortschaften und Staaten dem kirchlichen Afrikaseinsatz. Im Sudan, wo das Christentum nur in Süden des Landes Fuß gefasst hat, machen sich die oben genannten Wohltaten des Christentums bemerkbar. Mit einer Bevölkerungsstruktur im Sudan, die Christen nur mit 8% und Animisten mit 35% ausweist, scheint der Sudan ein islamisches Land zu sein. Wichtige politische Entscheidungen wurden mit islamischem Hintergrund getroffen. Grosse Entwicklungshoffnungen des Südens waren die britischen Kolonialherren, die als Gegengewicht zum Islam das Christentum in Südsudan eingeführt haben. Der Süden wurde bis zur Unabhängigkeit den Briten überlassen. Alle vorhandenen Entwicklungsmaßnahmen bis zu diesem Datum sind zum größten Teil den Missionaren zu verdanken. Dieser Tatsache ist sich die ganze Bevölkerung des Südens bewusst und hat nach der Unabhängigkeit ihre Selbstbestimmung gegen dem Machtmissbrauch der Zentralregierung von Khartum gestärkt. Dieses Selbstbewusstsein hat die politische Vernachlässigung und die Kluft zwischen Nord- und Süd deutlich werden lassen und dazu geführt, dass die Bevölkerung sich auf den Weg begeben hat, mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern) Währen des langen anhaltenden Krieg mit seinen schwerwiegenden Folgen haben die Kirche und ihre Vertreter eine Heldenrolle gespielt. Durch Seelsorge, Nahrungsmittelverteilung, stationäre und ambulante Krankenbehandlung, Bildung und Ausbildung von Millionen von Menschen hat die Kirche die südsudanesische Bevölkerung unterstützt, diesen Horror zu überstehen. Auch in den Friedenshandlungen, ist die Kirche sehr aktiv gewesen. Sie macht die Situation vor Ort international bekannt, damit mehr Druck der internationalen Weltgemeinschaft auf die zentrale Regierung ausgeübt wird. (Interview mit dem Erzbischof Paolino Lukudo Loro). In vielen Fällen waren die Kirchenvertreter diejenigen, die am besten über die ganze Kriegslage im Südsudan informiert waren. Da ihre Vertreter waren wie Friedenstruppen, die nur Menschen in Not und Elend beistehen wollten, haben sie dadurch alles miterlebt und mitbekommen. Der Einfluss, der als eine gläubige und bleibende Präsenz bei den Menschen in den Kriegen und als Potential für einen Zugang zu Mitteln für Wiederaufbau und Versöhnung innerhalb ihres weltweiten Netzwerkes errungen wurde, macht die Kirche zu einem Zentrum der Hoffnung: Weltkirche, Ausgabe 04/2006/02Sudan. Nach dem Friedensabkommen und für die Jahre seiner Umsetzung stehen nicht weniger Aufgaben als in der Kriegsperiode für die Kirchengemeinden an. Sie stellen für viele Flüchtlingen und Ruckkehrende die Zentren der Hoffnung dar. Begleitend zum Wiederaufbau des Landes sind vor allem Versöhnungserziehung und Seelsorge nötig. Jetzt im ganzen Süden versucht die Kirche eine funktionierende Vergebungskultur herzustellen und die Seelen zu heilen. Nicht zuletzt ist sie dabei, viele Rehabilitierungsaktivitäten durchzuführen, u.a., Schulen, Krankenhäuser, Strassen, Erwachsenenbildungsveranstaltungen, landwirtschaftliche Projekte, Sensibilisierungsprogramme, … Die Aufgaben der Kirche haben sich in Südsudan an die Probleme der Gläubigen/Menschen angepasst. Ohne diese Leistungen wären die Folgen des Krieges viel schlimmer für viele Menschen. Ebenso hätten die Friedensverhandlungen und die Umsetzung des CPA (Friedensabkommen, Comprehensive Peace Agreement) weniger Erfolge erzielt. Abgesehen davon ist der Wiederaufbau des Landes ohne die Fortsetzung der sozialen Arbeit der Sudanesischen Kirchgemeinden undenkbar. Interne Konflikte und Hass müssen durch durchgeführte Versöhnungs- und Vergebungserziehung der Kirche beigelegt werden. Nach dieser unvergesslichen und zentralen Rolle der Kirche für die Entstehung des neuen Sudans (New Sudan), wird die große Herausforderung das harmonische Zusammenleben mit der zentralen islamischen Regierung nach dem Referendum im Jahr 2011 sein. Eines steht fest: Die Kirche hat durch ihre Wohltätigkeit im Südsudan mehr Vertrauen der Bevölkerung aufgebaut als jede andere politische und religiöse Instanz. Was jeder Entscheidungsträger oder jede Entscheidungshandlung berücksichtigen soll um Fehlschläge zu vermeiden.
hoxel