Flüchtlingsdrama zwischen Kriegsakteuren im Sudan

Sudan kennt den längsten Konflikt Afrikas nach Beendigung der Kolonialzeit. Die islamische/islamistische Zentralregierung hat durch ihr politisches Missmanagement und militärisches Vorgehen bewaffnete Aufstände zuerst im Süden, dann in Darfur und im Südosten des Landes ausgelöst. Die Regierung ist entschlossen, politische und wirtschaftliche Macht anzuhäufen und gewaltsam einen islamischen Staat nach ihrer Ansicht zu schaffen. Der Krieg richtet sich überwiegend gegen Christen und Animisten im Süden und Südosten und in Darfur gegen schwarzafrikanische Muslime der Mittelschicht. Im Süden dauerte der Krieg bis zur Unterzeichnung des Friedensabkommens im Januar 2005 40 Jahre. In Darfur und im Südosten des Landes dauert der offene Konflikt noch an.
Die politischen bewaffneten Konflikte treffen immer, wo sie auch sein mögen, unschuldigen Menschen: die Zivilgesellschaft. Diese besteht meist aus wehrlosen Kindern, Frauen, behinderten und alten Menschen. Bilder über den grausamen Völkermord und die Menschenrechtsverletzungen im Sudan, die die Öffentlichkeit erreichen, spiegeln nicht im Ansatz die wirkliche Dimension der Notlage. Die Unschuldigen, wenn sie nicht von Kriegsakteuren umgebracht werden (Männer werden getötet, Frauen und Mädchen zu Sklaven gemacht und Jungen zu Soldaten gemacht), fliehen oft nur mit dem, was sie am Leib haben. Aus geplünderten und niedergebrannten Dörfern fliehen Familien um dem Terror zu entrinnen. Bei diesem hastigen Verlassen ihrer angestammten Wohngebiete wird nicht nur persönlicher Besitz zurückgelassen, auch werden die Stämme, Gemeinden, Familien und Familieneinheiten zerstreut. Dadurch wird bei den Überlebenden große Angst und eine absolute Unsicherheit ( Mehr dazu) ausgelöst. Die Flucht vor dem Tod dieser Unschuldigen bringt zahlreiche Menschen unterschiedlicher Stämme, Herkünfte, Lebensalter und Geschlechter in natürlichen Verstecken im Land oder jenseits der Landesgrenze oder in für sie eingerichteten Lagern zusammen. Die Fluchtwege müssen meistens zu Fuß zurückgelegt werden, da Transportmittel nicht mehr vorhanden sind und auch viele Straßen und Landepisten beschädigt, vermint oder überwacht sind. Viele überleben die strapaziöse Flucht nicht. Der Krieg im Sudan hat nach Schätzung der UNHCR nicht nur mehr als drei Millionen Menschen das Leben gekostet sondern auch mehr als sechs Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen und Flüchtlingen gemacht.
Die Zusammenführung der Menschen in die aus Not eingerichteten Lager bringt alle Probleme des menschlichen Zusammenlebens (Mehr dazu)
mit sich. In den Flüchtlingslagern leiden die Menschen unter dem herrschenden Mangel an Nahrungsmitteln und an Möglichkeiten zur Gesundheitsversorgung, unter schlechten Unterbringungsbedingungen, psychischen Traumata, sozialer Unsicherheit, der Verbreitung von Seuchen. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln der übernacht zusammen geführten Menschenmenge ist eine gewaltige Herausforderung für die mutigen Hilfsorganisationen, die unter sehr hoher und lebensgefährlicher Unsicherheit arbeiten müssen. Sowohl Hilfsorganisationen als auch die Zivilgesellschaft bleiben nicht von Angriffen verschont. Es ist unbeschreiblich, was Flüchtlinge, bevor Hilfe eintrifft, durchstehen müssen. Die Kriegsakteure der Regierung verwehren der Bevölkerung absichtlich fundamentale humanitäre Hilfe, die sie so verzweifelt brauchen. Verhungert, erschöpft durch die Flucht, traumatisiert durch zahlreiche Ereignisse, müssen sie mit den Allernotwendigsten für ihre existenziellen Bedürfnisse auskommen. Trotz der übermenschlichen Dimension der Notlage muss das Leben weitergehen.
Der anhaltende Bürgerkrieg im Sudan stellt das Leben der Flüchtlinge in diesen Lagern um. Diese sind, so lange dauert den Krieg, auf internationale Hilfe angewiesen, müssen alle Beschäftigungen aufgeben, sind gezwungen in Notunterkünften Jahre lang zu leben, soziale Ordnung, sowie Normen sind hier schwer aufrecht zu erhalten, kurz, ist ein normales Leben im Flüchtlingslager unmöglich zu führen. Daher leiden die Menschen, die sich aufgrund des langen Bürgerkriegs in Flüchtlingslagern aufhalten, mehr oder weniger unter psychobiologischen Störungen. Die meisten sind davon so schwer betroffen, dass sie nie wieder ein normales Leben führen können. Frauen, die grausam vergewaltigt wurden, Menschen, die der Hinrichtung ihrer Familienmitglieder zuschauen müssen, Kinder, die zum Militärdienst gezwungen wurden oder diejenigen, die im Krieg geboren wurden und, und, und,… sind ohne Zweifel soziale Härtefälle (Mehr dazu). Diese zerstörten Mitbürger werden, bei Rückkehr des Friedens, eine schwer zu tragende Last für die Gesellschaft sein.
Nach des Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen den Zentralregierung und der SPLM/A ist die Hoffnung auf eine normales Leben zurückgekehrt, zumindest im Süden. Südsudanesen haben sich sehr gefreut, endlich von diesem eingesperrten Leben im Flüchtlingslager zu befreien. Seitdem versucht die SPLM den Vertriebenen die Möglichkeit zu bieten, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Diese Rückkehr ist von Angst, Verzögerung und internen Konflikten geprägt. (Laut Reisebericht im Südsudan im März 2006 von Herrn Präses Schneider Aufsichtsratsvorsitzende der EED, dass es um einigen Ortschaften wie die Stadt Rumbeck mehr Töten durch interne Konflikte beim Rückkehr der Flüchtlingen als während des Krieges. Das Leben nach dem Krieg in den Dörfern ist schwierig weder glücklich noch friedlich. Die Zerstörung der Siedlungen und die Verminung der Felder machen jeden Anfang sehr schwer. Die durch den Krieg umgekommenen Menschen rufen mit ihrer Abwesenheit soziale Unordnung oder Unsicherheit hervor. Zu den Kriegstoten sind viele erwerbstätige Männer zu zählen. In einer mit Tradition geprägter Sozialstruktur wie der Gesellschaft in Südsudan sind ein Dorfoberhaupt und Familienchef nicht nur Träger der sozialen Ordnung, sondern auch lebendige Archive der Gesellschaftsgeschichte. Das macht in den Fällen, in denen sie zu den Kriegsopfern zu zählen sind, die neuen Anfangsbemühungen der Ruckkehrenden noch schwieriger. Für den Wiederaufbau Südsudans sind die aktiven Beteiligungen der Zivilbevölkerung, der politischen Entscheidungsträger und auch der Hilfsorganisationen erforderlich. Dafür müssen interne Konflikte beigelegt werden, die politischen Entscheidungsträger müssen die Angriffe auf die Zivilgesellschaft endgültig stoppen und Ordnung schaffen, ebenso müssen alle Maßnahmen zur Umsetzung des Friedensabkommens getroffen und Entwicklungsinitiativen gefördert werden.
hoxel