Die Suche nach der Quelle des Nils

Victoriasee bei Entebbe (Uganda).
Die Geschichte der Kontrolle über den Nil ist eine Geschichte für sich, deren Wurzeln in die Zeiten der Pharaonen zurückreicht und die sich von den Bemühungen der alten Ägypter zur Kontrolle des Nils nicht trennen lässt. Es kann nachvollzogen werden, dass die Geschichte der Kontrolle des Nils immer eng verbunden war mit Fragen der Macht, des Glaubens und der Zivilisation in der Nilregion, weil schon die Pharaonen die Herkunft des Nils kennen wollten. Zudem glaubten waren sie der Überzeugung, dass man den Weg des Flusses ändern könne. Deshalb planten die Ägypter, den Nil zu kontrollieren und sein Wasser zu regulieren.

Tausende von Jahren hindurch hatten die Menschen in Ägypten (besonders zur Zeit der Pharaonen) gefürchtet, dass der Nil eines Tages nicht mehr fließen werde. Diese Ansicht wurde zu einem Glaube. Als Folge davon stand der Nil immer im Mittelpunkt der Glaubensgrundlage der Pharaonen: Die Menschen sollten an einen Gott glauben, der die Kraft und das Können hatte, das Wasser des Nils bis nach Ägypten fließen zu lassen.

Im Jahr 1201 - wurde berichtet - hatte der ägyptische König eine Delegation mit der Bitte an den dortigen Herrscher, den Fluss des Wassers nach Ägypten nicht zu stoppen, nach Äthiopien entsandt. James Bruce, ein Schotte, der 1769-1771 in Äthiopien lebte, wiederum hatte einen Brief vom König von Äthiopien an den Pasha von Ägypten gefunden. Der Brief enthielt die Drohung, den Fluss des Nil nach Ägypten zu stoppen. Charles T. Beke schließlich, ein Brite und Nilspezialist, hatte den britischen Außenminister 1851 von der Möglichkeit der Umleitung des Nilwassers informiert, wenn man die Verhinderung der Bewässerung in Ägypten vorhätte. Solche Beispiele zeigen, wie ernst die Frage nach der Kontrolle des Nils für Ägypten war.

Mohammed Ali, der Khadive von Ägypten, hatte Anfang des Jahrhunderts das ägyptische Landwirtschaftssystem modernisiert und neue Bewässerungsanlagen eingeführt. Das bedeutete in der Praxis wiederum, dass mehr Wasser für die Bewässerung von Feldern benötigt wurde, damit die wachsende Bevölkerung in Ägypten ernährt werden konnte. Trotz aller dieser Anstrengungen war die Frage, wer die Macht über das Wasser des Nils hatte, unbeantwortet, da keine genauen Erkenntnisse über die Quellen des Nil vorlagen. Der ägyptische Wunsch, das Nilwasser zu kontrollieren, war also unbefriedigt. Die Abhängigkeit der Menschen und ihrer politischen Systeme vom Nil und dessen Nutzung für die Bewässerung hatte immer großen Einfluß auf das Denken und den Glauben der Menschen, was dazu führte, dass sie anfingen, Fragen wie: "Woher stammt der Nil überhaupt und wer kontrolliert ihn?" zu stellen. Schließlich wurde die Erforschung der Quelle des Nil initiiert.

Pharaone, Nero und verschiedendste Kolonialherren entsandten Expeditionen mit dem Auftrag, die Nilquelle ausfindig zu machen, aber alle diese Versuche scheiterten an den Sümpfen der Suddregion. Erst 1937 konnte man die Frage nach den Quellen des Nils beantworten, als der deutsche Exzentriker und Entdecker Dr. Burkhart Waldeker dieses Rätsel bei seiner Ankunft in der Grünen Kangosiregion löste.
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