Das Sumpfgebiet

Zu Zeiten, als das große Sumpfgebiet Sudd noch ein geographisches Hindernis darstellte, konnte praktisch niemand vom Norden her Raubzüge oder Expeditionen in die südlichen Gebiete des heutigen Sudans vornehmen - geschweige denn das Gebiet kolonisieren und beherrschen. Das Gebiet südlich des Sudd blieb deshalb lange Zeit vor den Begierden arabischer oder europäischer Eroberer verschont. Und das, obwohl diese Vertreter ihrer jeweiligen "Zivilisationen" ein großes Interesse hatten, die Nilquellen zu beherrschen.

Die Quellen des Nils waren bis dahin unentdeckt geblieben, da der Nil im Sudd kaum schiffbar war. Er vezweigt sich hier in Millionen Nebenarme, und das gesamte mit Wasser bedeckte Gebiet hat eine Ausdehnung von der Größe Englands. Expeditionen, die sich vom Norden her aufmachten, die sagenumwobenen Nilquellen zu entdecken, kehrten um oder gingen in den Sümpfen verloren.

Für Ägypten stellte die Entdeckung der Nilquellen von jeher ein großes Anliegen dar, denn der Nil ist die Quelle des Lebens für das Land. Ägypten besteht zum großen Teil aus Wüste, und die Bewässerung durch den Nil ist notwendig für die gesamte Landwirtschaft. Die Sorge, die Nilquellen könnten in die Hand eines Herrschers geraten, der die Möglichkeit hätte, den Fluss des Wassers nach Ägypten zu verhindern, war deshalb groß.
hoxel