SUDAN:LANDWIRTSCHAFT

Durch ihre Bedeutung für die Wirtschaft des Landes hat die Landwirtschaft auch großen Einfluß auf Entwicklungsprogramme. Seit der Revolution der nationalen Rettung ist die Frage der Ernährungssicherung ernsthaft angegangen worden. Die Weizenanbauflächen wurden vergrößert, in der Bewässerungslandwirtschaft wurde verstärkt Durra (Sorghum vulgare) angebaut, um den Produktionsschwankungen beim Regenfeldbau zu begegnen. Durch die Verringerung der Anbaufläche für Baumwolle in der Bewässerungsland- wirtschaft wurde Platz für Getreideproduktion geschaffen. Gleichzeitig regte die Regierung mehrfach an, den Baumwollanbau im Regenfeldbau auszudehnen. Es wurde besonderes Gewicht gelegt auf Kleinbetriebe, die die Grundlage für landwirtschaftliche Entwicklung darstellen und auf Gerechtigkeit. Durch Einführung neuer Produkte wie Futterpflanzen, Sonnenblumen und Mais wurden die Bemühungen um eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse intensiviert. Im Rahmen der Regierungspolitik hatten die Sicherung des landwirtschaftlichen Inputs und die Einführung von Viehhaltung in die Landwirtschaft oberste Priorität. Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden durch die Zentralbank finanziert. Dies führte zu einer hohen Verschuldung von Pächtern und Betrieben. Um diesen Zustand zu verbessern, die Finanzierung zu sichern und die Tilgung der Schulden zu garantieren, rief die Regierung ein Fondssystem der Handelsbanken ins Leben. Insbesondere der traditionelle landwirtschaftliche Sektor hat nach wie vor vielfach Probleme bei der erforderlichen Finanzierung durch Handels- und Spezialbanken. Deshalb verfügte die Regierung, 40% des Kreditvolumens bei den Handelsbanken für den landwirtschaftlichen Sektor zu verwenden. Das Kapital der Landwirtschaftsbank wurde erhöht und weitere Filialen eröffnet. Außerdem wurden zusätzliche Erleichterungen bei der Kreditaufnahme von Kleinbetrieben eingeführt sowie Finanzierungsfonds für landwirtschaftliche Produktion und neue Spezialbanken (Bauernbank und Bank für Tierhaltung) eingerichtet. Allgemeine Ziele des landwirtschaftlichen Sektors Kurzgefaßt sind folgende Ziele zu nennen: · Ernährungssicherung · bestmögliche Nutzung der vorhandenen Ressourcen · Erhöhung des landwirtschaftlichen Anteils am BIP und der landwirtschaftlichen Einkünfte · Steigerung der Exporterlöse aus der Landwirtschaft zur Entlastung und zum Ausgleich der Zahlungsbilanz · ausgewogene Regionalentwicklung Natürliche Ressourcen 1. Boden und Klima Im Sudan finden sich Ebenen, Täler, Hochebenen, Sanddünen und Gebirgszüge. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche beträgt etwa 200 Mio. feddan; gegenwärtig genutzt werden davon 15%, d. h. ca. 30 Mio. feddan. Es gibt Wälder, von Sträuchern bewachsene Flächen und Weideland, die etwa 250 Mio. feddan ausmachen. Dieser Vielfalt an Böden entsprechen die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Landesteilen. 2. Wasservorräte Die Wasservorräte des Sudan werden gespeist von den Niederschlägen, vom Wasser der Flüsse, vom Oberflächen- und Grundwasser. Nach dem Abkommen von 1959 beträgt der sudanesische Anteil am Nilwasser 18,5 Mrd. m3 jährlich, wovon der Sudan gegenwärtig 12,2 Mrd. m3 nutzt. Die Grundwasservorkommen verteilen sich auf mehr als die Hälfte der Fläche des Landes und belaufen sich auf rd. 15.200 Mrd. m3, was mehr als der 200fachen Menge des jährlichen Anteils am Nilwasser entspricht. Die saisonal bedingte Abflußmenge beträgt ca. 3,3 Mrd. m3. Das Wasser der Wadis (Flußtäler) kann in Becken gespeichert, mit Dämmen gestaut oder als Grundwasser im Sedimentgestein für Bewässerung und Trinkwasser für Mensch und Tier genutzt werden. 3. Waldbestand und Weideflächen Der Sudan verfügt über ausgedehnte Wald- , Strauchbewuchs- und Weideflächen von insgesamt 250 Mio. feddan. Damit gehört der Sudan zu den Staaten Afrikas mit dem größten Waldbestand. Die wichtigsten Erzeugnisse sind: · Gummi arabicum Es zählt zu den wichtigsten volkswirtschaftlichen Einnahmequellen; sein Anteil an den Exporterlösen beträgt 60-65%. Der Sudan ist der größte Lieferant erstklassigen Gummi arabicums. Er produziert zwischen 85-90% des Bedarfs weltweit. · Heil- und Parfümpflanzen Der Sudan bietet eine Vielzahl von Heil- und Parfümpflanzen wie z. B. Karkade, Henna, Fenchel, Kreuzkümmel, Anis und Bockshornklee. Wichtigste Bereiche des landwirtschaftlichen Sektors 1. Bewässerungslandwirtschaft Hier werden landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Baumwolle, Erdnüsse, Zuckerrohr, Koriander, Weizen und Hülsenfrüchte sowie Gemüse (Okraschoten, Auberginen, Tomaten) und Obst (Bananen, Mangos, Datteln, Zitrusfrüchte) produziert. 2. Regenfeldbau Im Regenfeldbau erzeugte Produkte sind Sesam, Durra, Erdnüsse, Sonnenblumen, Baumwolle, Mais, die Hirseart Pennisetum glaucum (dukhn) und Karkade. Für die Produktion von Gummi arabicum werden Akazienbäume angebaut. Guwwar ist erfolgreich angebaut worden und dient als Klebstoff und wegen seines hohen Proteingehalts als Geflügelfutter. 3. Gartenbau Die Voraussetzungen von Boden, Klima und Wasservorkommen bieten das ganze Jahr hindurch und insbesondere im Winter vielfältige Möglichkeiten im Gartenbau. Diese Besonderheit ermöglicht es, auch außerhalb der Saison in Europa Gemüse und Obst anzubauen. Insbesondere in der Arabischen Welt sowie in einigen europäischen Staaten besteht große Nachfrage. Folgende Obst- und Gemüsearten haben sich auf dem Markt durchgesetzt: Mangos, Limonen, Grapefruits, Zwiebeln, Auberginen, rote Pfefferschoten (Capsicum conicum), Okraschoten, Melonen. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Sudan Nahrungsmittel · Durra: Die Anbaufläche im Bewässerungs- und Regenfeldbau belief sich in den Jahren 1992/93 auf 18 Mio. feddan mit einer produzierten Menge von 4 Mio. t. · Weizen: Der Anbau dieses Getreides erfolgt nur im Bewässerungsfeldbau. Auf einer Fläche von 800.000 feddan wurden 1992/93 400.000 t produziert. · die Hirseart Pennisetum glaucum: Die Anbaufläche für Dukhn betrug 6.236.000 feddan mit einer Produktionsmenge von 500.000 t. · Mais: Auf 49.700 feddan wurden 58.000 t produziert. Exportprodukte · Erdnüsse: Im Bewässerungs- und Regenfeldbau wurden 1992/93 insgesamt 380.000 t produziert. · Baumwolle: Die Anbaufläche für Baumwolle macht lediglich ca. 4% der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Dieser Anteil sank auf rd. 370.000 feddan im Jahr 1992/93 mit einer Produktionsmenge von 1,2 Mio. qintar (1 qintar = 44,93 kg). Diese Verringerung erfolgte im Einklang mit der Regierungspolitik, die auf eine Steigerung der Lebensmittelproduktion im Bewässerungsfeldbau abzielt. Das umfassende nationale Strategieprogramm für die kommenden 10 Jahre jedoch legt einen Schwerpunkt auf die Baumwollproduktion und sieht eine Vergrößerung der Fläche und eine Intensivierung des Anbaus vor. · Sonnenblumen: Der Anbau der Ölsamenpflanzen erfolgte 1992/93 auf einer Fläche von 230.000 feddan mit einer Produktionsmenge von 38.000 t. · Hülsenfrüchte: Auf einer Fläche von 31.390 feddan werden jährlich rd. 121.000 t produziert. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Projekte · Regierungsprojekte: Gezira-Projekt, Rahad-Projekt, New Halfa-Projekt, Weißer Nil-Projekt, Blauer Nil-Projekt, Tukardelta-Projekt, Nördliche Projektverwaltung, Agrarprojekt as-Sauki, Behörde für mechanisierte Landwirtschaft · Entwicklungsprojekte: Agrarentwicklungsprojekt Süd-Kasala, Kordofan-Projekt, Ruseiras-Projekt, Nuba Berge-Projekt, Marra Berge-Projekt, Projekt as-Safina, Agrarprojekt an-Nuhud, Nördliches Wiederaufbauprojekt, Projekt für Forschung, Beratung und Schulung · Nichtregierungsprojekte: Agrarprojekt as-Salit, Agrarprojekt Sandas · Körperschaften: Organisation für Agrarstudien, Nationale Forstverwaltung Gezira-Projekt Das Gezira-Projekt wurde 1911 als Forschungsprojekt für Baumwollanbau auf einer Fläche von 250 feddan ins Leben gerufen. Die Bewässerung erfolgte durch Pumpen am Blauen Nil. Aufgrund des Erfolges wurde eine Vergrößerung der Fläche beschlossen und 1923 der Bau des Staubeckens von Sennar beschlossen. Infolge des Ersten Weltkriegs kam es zu einer Unterbrechung der Arbeiten am Projekt bis 1918. Ungeachtet dessen wurde der Baumwollanbau ausgeweitet bis die bewässerte Fläche 1924/25 rd. 22.000 feddan betrug. Nach Fertigstellung der Arbeiten am Staubecken 1925 erhöhte sich die Projektfläche von Jahr zu Jahr und Mitte der Fünfziger hatte sie 1 Mio. feddan erreicht. Von 1958 bis 1962 entstand die Managil-Extension, und die Gesamtfläche des Projekts stieg auf 2,1 Mio. feddan. Die Hälfte der mit Bewässerungsfeldbau bewirtschafteten Flächen im Sudan entfallen auf das Gezira-Projekt. Hier werden die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse für Export und Konsum produziert: Baumwolle, Weizen, Durra, Erdnüsse, Gemüse, Mais und Obst. Anbaufläche ausgewählter Erzeugnisse 1992/93 Baumwolle 152.000 feddan; Durra 550.000 feddan; Weizen 530.000 feddan; Erdnüsse 188.000 feddan Gemüse 50.000 feddan; Futtermittel 50.000. feddan; Mais 50.000 feddan; Sonnenblumen 550 feddan Viehwirtschaft Ab Mitte der Achtziger begann mit einer Studie die Einführung von Vieh in die Fruchtwechselwirtschaft. Nach erfolgreichem Abschluß der Studie erfolgte die Darwish-Untersuchung und schließlich wurde der Oberste Ausschuß für Umsetzung der 5 Jahres-Fruchtwechselwirtschaft mit dem Vorhaben betraut, für eine bestimmte Zeit die Viehwirtschaft allgemein einzuführen. Die Behörde für Viehwirtschaft im Gezira-Projekt setzte das Programm um und führte die wissenschaftliche und veterinärmedizinische Überwachung der Rinder durch, die zur Rassenveredelung importiert worden waren. Die Molkereigenossenschaft Barakat nimmt die Tagesproduktion an Milcherzeugnissen entgegen und verarbeitet und vermarktet sie. Die Abteilung Geflügel der Behörde für Viehwirtschaft stellt den Geflügelzüchtern im Gebiet mit Bewässerungslandwirtschaft Küken und Eier zur Verfügung und produziert die Futtermittel. Die Gezira-Eisenbahn Sie begann 1919 mit einer Strecke von 20 km. Mit Erweiterung der Projektfläche und Bau der Managil-Extension erreichte die Linie eine Länge von 1300 km. Die Gezira-Eisenbahn transportiert die Baumwolle zu den Entkörnungsbetrieben und Lagerhäusern, sie befördert Saatgut, Düngemittel und andere Produktionsmittel zu den Feldern sowie die Samen zur weiteren Verarbeitung. Entkörnungsbetriebe des Projekts Es existieren 13 Entkörnungsbetriebe im ganzen Projekt: fünf in Marnjan, sieben in al-Hasaheisa und einer in al-Bagir. In der Entkörnungszeit von Dezember bis Ende Juni werden Saisonarbeiter beschäftigt. Die Regierung des Sudan und die Weltbank vereinbarten den Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur im Projekt im Rahmen eines begrenzten Programms beginnend mit der Saison 1980/81. Dieses Programm umfaßt die Entkörnungsbetriebe, die Eisenbahn, Speicherkapazität, Fahrzeuge, Werkstätten, verschiedene Maschinen, Kommunikation, Steigerung des Saatgutertrages, Musterpflanzungen, Ausbildung u. a. Die Projektverwaltung Die Verwaltung besteht aus folgenden Abteilungen: a. Agrarverwaltung; b. Finanzverwaltung; c. Technische Verwaltung; d. Verwaltungsangelegenheiten; e. Sonderbehörde Rahad-Projekt Dieses Projektgebiet befindet sich östlich des Flusses ar-Rahad und hat eine Fläche von 300.000 feddan. Das Projekt begann 1973. Landwirtschaftliche Erzeugnisse Im Ackerbau: Baumwolle, Erdnüsse, Durra. Von 22 feddan sind 11 für Baumwolle, acht für Erdnüsse und drei feddan für Futterpflanzen vorgesehen. Im Gartenbau (insgesamt fünf feddan) werden auf einem Obst und auf den restlichen vier Gemüse in Gewächshäusern angebaut.
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